Kaum verbesserte Biden mit dem Inflation Reduction Act die Ausgangssituation für die US-Wirtschaft, da fängt das Kartenhaus an anderer Stelle an zu wackeln. Mit der Pleite der Silicon Valley Bank (SVB) offenbaren sich Schwierigkeiten in der Finanzwelt, die alle Banken treffen können und u.a. mit der Credit Suisse schon getroffen hat.
Was brachte die SVB zum Absturz? Am Anfang war nicht die Inflation, sondern die Kund:innen der SVB: vor allem Startups aus der Tech-Branche finanzierten ihr Geschäft mittels günstiger Kredite ihrer Bank. Die Finanzierung der eigenen Produktion oder Dienstleistung ist mit Krediten billiger als mit Eigenkapital. Oft ermöglichen Kredite auch erst den Start eines Business. In den Jahren der Corona-Pandemie machten viele der Tech StartUps das Geschäft ihres Lebens. Die Gewinne landeten bei der SUB und erhöhten die Einlagen um ein Vielfaches.
Kurz danach setzte die Inflation ein und FED und Zentralbanken versuchten diese mit steigenden Leitzinsen zu senken. Mit steigenden Zentralbankzinsen steigen die Kreditzinsen ebenfalls. Wenn in der jetzigen Situation des massiven Zinsanstiegs ein Kredit ausläuft oder refinanziert werden muss, dann greifen Firmen gezwungenermaßen auf ihr Kapital zurück, das bei der Bank geparkt ist. Weil das viele Firmen machten, ging der SVB das Eigenkapital aus, denn: auch sie hatte es (zeitweilig) gewinnbringend geparkt bzw. in Anleihen investiert, die nun mit Verlust verkauft werden mussten.
Weitere Kund:innen sind beunruhigt, immer mehr ziehen ihr Kapital aus der Bank ab. Noch mehr Anleihen mussten verlustreich verkauft werden. Schließlich konnte die SVB ihre Kredite nicht mehr bedienen, ihr Kurswert geht gegen null. Bäng. Das wars. Auch bei der Credit Suisse gab es einen Bankenrun. Weil das Finanzsystem dermaßen miteinander verflochten ist, kann die Dynamik, die von einem Bankencrash ausgeht, nicht mehr überblickt werden. In letzter Sekunde wurde der Dominoeffekt aufgehalten – die USB kaufte die Credit Suisse und hat damit eine Bilanzsumme, die doppelt so groß ist wie das gesamte BIP der Schweiz. Politiker:innen, Banker:innen, Wirtschaftsexpert:innen beten, dass es irgendwie hält, bis die Wirtschaftsprognosen wieder mehr Optimismus verbreiten…
Bis es zur nächsten Bankenkrise kommt, denn: Bankenkrisen sind nicht Ausdruck von punktuellem ‚falschem Wirtschaften‘ einer Bank oder eines Sektors. Sie sind dem Kapitalismus immanent. Der Finanzmarkt ist nicht abgekoppelt von den ökonomischen Krisen, die der Produktionssphäre entspringen. Und die gegenwärtige kapitalistische Produktion kann nicht mehr ohne Kredite oder ohne Banken funktionieren, die dafür sorgen, dass sich Kapital schnell genug bewegt.