Die Zinspolitik der Zentralbanken ist aktuell das zentrale Werkzeug herrschender Wirtschaftspolitik. Sie soll eine stabile Währung sichern und die Inflation in den Griff bekommen. Die Zinsanhebungen der Zentralbanken folgen einem vermeintlich logischen Denken: Hohe Inflation bedeute, dass zu viel Geld im Umlauf ist. Die Nachfrage sei zu hoch und provoziere eine Steigerung der Preise. Mit hohen Zinsen werden Kredite teurer – damit werden Investitionen in Produktion weniger attraktiv; stattdessen wird Kapital in Anleihen angelegt. Steigende Zinsen für Kredite machen auch für Konsument:innen neue Anschaffungen schwerer (Hauser, Wohnungen, Autos…). Weniger Investitionen und weniger Konsum bedeuten weniger Nachfrage und sollen dazu führen, dass die Preise sinken (oder zumindest nicht mehr so schnell steigen).
Woher kommt die Inflation wirklich?
Die Ursachenfrage wird mit dieser Logik falsch beantwortet. Zwar stimmt, dass mit Ende der Lockdowns die Nachfrage kurzfristig anstieg – schnell erreichte diese aber wieder Normalität. Ursache der Inflation ist keine zu hohe Nachfrage, sondern Schwächen bei der Angebotsseite. Zum einen durch Lieferketteneinbrüche während der Pandemie, zum anderen wegen gestiegener Gas-, Öl- und Rohstoffpreisen durch den Ukrainekrieg. Die Anschaffung von Öl und Gas bedurfte neuer, arbeits- und damit kostenintensiveren Wege, z.B. durch neue Flüssiggasterminals oder neue Anbieter. Dass Konzerne die Situation ausnutzten und die Preise ihrer Waren zusätzlich erhöhten, heizte die Inflation weiter an, kann aber nicht als Ursache der Inflation („Gierflation“) gewertet werden.
Nachfragesenkung heißt Lohndruck
Die Zentralbanken beabsichtigen jedoch, die Inflation mittels massiver ökonomischer Einschnitte in den Griff zu bekommen. Die Wirtschaft soll soweit abgekühlt werden, bis die Preise wieder sinken. Investitionseinbrüche, Unternehmenspleiten und vor allem ein massiver Anstieg der Arbeitslosigkeit sind bewusstes Kalkül: Höhere Arbeitslosigkeit soll Lohnkosten eindämmen und einen Einbruch bei der Nachfrage provozieren. Dieses Szenario wird, zusammen mit Einsparungsdruck beim öffentlichen Budget, soziale Einschnitte auf Kosten der Arbeiter:innenklasse mit sich bringen.
Rezession ist da
Diese Zinspolitik nimmt Rezession bewusst in Kauf. Offen bleibt, wie schwer der bevorstehende Abschwung wird. Doch gerade jetzt, durch die strukturelle Stärke der Arbeiter:innenklasse (Vollbeschäftigung), wären die Gewerkschaften in der Lage, hohe Lohnforderungen weit über der Inflation durchzusetzen. Zeit zu holen, was uns zusteht!