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Banken sind Weichensteller im Kapitalismus – Kein Gelddepot

Seit März kracht es im Bankensektor am US-amerikanischen und am europäischen Markt. Die Wahrnehmung, Banken seien ein unzweckmäßiger Überbau oder Zusatz der kapitalistischen Produktion, ist trügerisch. Der Daseinszweck von Banken ist nicht, Gewinne mit Kreditgeschäften abzuschöpfen oder unsere Girokonten und Spareinlagen zu verwalten. Sie bilden die Infrastruktur für Kapitalzirkulation und -wachstum an allen Ecken und Enden.

Kein Dagobert-Duck-Widerspruch

Kein Unternehmen häuft Berge von Eigenkapital an. Reichtum vermehrt sich durch erfolgreiche Investitionen. Unter dem Sachzwang des Wettbewerbs ist der zentrale Faktor Zeit. Statt zu warten, bis genügend Profit aus vergangenen Geschäften zusammenfließt, können Kapitalist:innen durch Kredite von Banken schneller in neue, bessere Technik und neue Produktionszyklen investieren.

Banken sind kein Gelddepot

In Wirklichkeit „erschaffen“ sie selbst erst den Großteil des Geldes bzw. der Zahlungsmittel, die im Umlauf sind. Geldüberweisungen zwischen Auftraggeber:in und Auftragnehmer:in, zwischen Verkäufer:in und Kund:in usw. sind nur elektronische Buchungen zwischen den Banken, die die jeweiligen Konten verwalten und einander Kredit gewähren. Dadurch muss sich nur ein Bruchteil des alltäglich umlaufenden Warenwerts in Papiergeld darstellen.

Banken müssen einen bestimmten Prozentsatz ihrer Kund:inneneinlagen als Mindestreserve in „echtem“ Geld halten. Diese Rücklagen reichen aber nicht, wenn allzu viele Kund:innen der Zahlungsfähigkeit ihrer Bank nicht mehr trauen und ihre Einlagen abziehen wollen – so kürzlich geschehen in den USA. Zum Schutz vor Kreditausfällen brauchen Banken außerdem genügend Eigenkapital. Deswegen sind sie u.a. sehr am Besitz und an der Wertbeständigkeit von Staatsanleihen, Unternehmensbeteiligungen und Immobilien interessiert.

Banken beeinflussen, wohin Kapital fließt

Unternehmen verwenden ihre erwarteten Profite als Zahlungsversprechen für neue Kredite. Aber Banken entscheiden, ob Investitionen vielversprechend und ob Unternehmen kreditwürdig sind. Damit beeinflussen sie, wie schnell Kapital von einer Branche in die andere wandert und was produziert wird.

Aktuell sinkt die Nachfrage nach Krediten und damit die Investitionstätigkeit, weil die Geschäftsaussichten zu gering sind, um Kredite mit hohen Zinsen zurückzuzahlen und selbst noch Profit machen zu können. Das bedeutet: Weniger Wirtschaftswachstum.

Fazit

Banken abzuschaffen bedeutet noch nicht, Kapitalismus abzuschaffen. Das Kreditgeschäft der Banken ist „nur“ eine notwendige Funktion im Kapitalkreislauf, der sich aus der täglichen Ausbeutung von Arbeit speist. Angesichts von ökologischen Krisen und sozialer Polarisierung können wir uns aber nicht länger leisten, dass die gesellschaftliche Bündelung und Zuteilung von Ressourcen den Profitinteressen und Risikoabwägungen privater Geschäftsbanken unterworfen sind.

Denn dadurch werden z.B. die fossile Industrie und andere zerstörerische Geschäftsmodelle am Leben erhalten und die notwendigen Investitionen für sozialökologischen Umbau hintangestellt. Banken müssen ersetzt werden durch Strukturen, die Investitionen an gesellschaftliche Zielsetzungen binden. Das bedeutet aus sozialistischer Perspektive: demokratische Aneignung und Steuerung der Ressourcen.

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