Familie, Beziehung, Sexualität im Sozialismus
In der aktuellen Gesellschaft gibt es zahlreiche Widersprüche. Über die Benachteiligung von Frauen und Müttern wird breit debattiert. Von Gender-Pay-Gap bis Abtreibungsverbot – die Probleme sind bekannt und finden trotz sogenannter aufgeklärter und entwickelter Gesellschaft keine Lösung. Beziehungen sind von Konflikten belastet – Menschen wünschen sich stabile Beziehungen oder eine Familie, die Stress und Belastung abfängt. Der Alltag lässt wenig Zeit, sich um eine tiefe Beziehung zu sich selbst und zu anderen zu kümmern. Unzufriedenheit und Einsamkeit, Ehekrach und Scheidung sind die Folgen; im schlimmsten Fall Gewalt.
Sexismus durchdringt sämtliche Strukturen des Alltags. Hinzu kommen sexualisierte Darstellungen von Frauen auf Social Media, in der Werbung, in Filmen und in Serien. Sie reproduzieren die Unterordnung von Frauen und Rollenbilder auch ideologisch und schreiben sich in unsere Wahrnehmung ein. Das beeinflusst den Rahmen, in dem wir Beziehungen und Sexualität erleben und gestalten – und konnte von zahlreichen Bewegungen oder Initiativen teilweise, aber nicht grundsätzlich und dauerhaft verändert werden. Diskriminierung von Lebensweisen, die monogame heterosexuelle Beziehungen offen ablehnen, prägt ebenso das Hier und Jetzt.
Was wird Sozialismus verändern
Produktion und Reproduktion sind Dreh- und Angelpunkt des menschlichen Daseins. Die Veränderungen in der Produktion im Sozialismus sind schon hinlänglich beschrieben. Was bedeutet das für die Reproduktion im Sozialismus?
Im Sozialismus wird nicht nur die Produktion vergesellschaftet – auch die Reproduktion muss vergesellschaftet werden. Das bedeutet, dass die Betreuung von Kindern und von alten Menschen nicht mehr innerhalb der Familie liegt, was die Verantwortung und die Last der Arbeit von den Schultern der Frauen nimmt. Wie das Produzieren von Gebrauchsgütern, wird auch das Aufziehen der Kinder, eintönige Haushaltsarbeit wie Wäsche waschen, Fenster putzen oder die tägliche Essenszubereitung zur gesellschaftlichen Arbeit und kollektiv organisiert. Alle, aber vor allem Frauen, werden von der monotonen, nervenaufreibenden Hausarbeit befreit und sind stattdessen im gemeinsamen Arbeitsprozess tätig. Die Teilnahme aller erwerbsfähigen Frauen am gemeinsamen Arbeitsprozess ist nicht die einzige Grundlage, um Gleichberechtigung zu erreichen und die eigene Persönlichkeit zu entwickeln.
Als weitere Grundlage ist deshalb Mutterschutz und das Recht auf Mutterschaft ein zentraler Bestandteil des Sozialismus. Während der Mann schon lange im Produktionsprozess „vergesellschaftet“ ist, wird die Frau in der heutigen Gesellschaft durch die Mutterschaft immer wieder oder dauerhaft davon ausgeschlossen. Heute verlieren Mütter oft ihre Eigenständigkeit, sie werden zu „Müttern“ gemacht, weil ihnen der Hauptteil der Kindererziehung und der Hausarbeit überlassen wird. Dabei ist ihre Persönlichkeit sehr viel vielfältiger. Die Frage nach der Mutterschaft ist heute nicht nur eine finanzielle- sondern beinhaltet auch die Überlegung: „Möchte ich diese Rolle wirklich haben?“ Das Recht der Frauen, über ihre Mutterschaft selbst zu entscheiden – also ob und wann sie ein Kind gebären möchten – kann erst unter den Bedingungen sozialistischer Produktion und Reproduktion umgesetzt werden. Die „Produktion“ von Menschen – und damit die Mutterschaft – ist eine gesellschaftliche Aufgabe wie die Produktion von Gütern. Die sozialistische Gesellschaft übernimmt die Verantwortung für die soziale Sicherheit von Müttern und anerkennt die zentrale Rolle der Mütter für den Fortbestand der Gesellschaft.
Ein umfassender Mutterschutz hat ebenso Auswirkungen auf zwischenmenschliche Beziehungen, weil u.a. die Versorgung gemeinsamer Kinder kein hinreichender Grund für das Zusammenleben oder die Ehe sind. Wir erhalten stattdessen die Chance, Beziehungen und Liebesbeziehungen auf der Basis gegenseitiger Anziehung, Achtung und Solidarität aufzubauen. Kinder erhalten die besten Voraussetzungen, wenn sie Wunschkinder sind und die Verantwortung für ihr Wohlbefinden gesellschaftlich übernommen wird.
Und die Moral von der Geschicht´
Die Geschichte der Menschheit hat verschiedene Produktionsweisen durchlaufen und jede Produktionsweise hat verschiedene Reproduktionsverhältnisse hervorgebracht: Von der leicht lösbaren Paarungsehe in klassenlosen Gesellschaften, über die monogamen Vertrags- und Kaufehen in Großfamilien oder Patriarchatsfamilien in vorkapitalistischen Gesellschaften, bis zur heute dominierenden Kernfamilie mit zwei Generationen (Vater/Mutter und Kind). Diese verschiedenen Ehe- und Familienformen richten sich nicht nur nach der Erhaltung der Art aus, sondern auch nach der Erhaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse. Damit verbunden ist die jeweilige akzeptierte Moral von Zusammenleben. Ändern sich Produktionsverhältnisse, so verändert sich die Moral. Die Veränderung verläuft dabei nicht gleichzeitig mit der Änderung der Produktionsverhältnisse. Alte Moralvorstellungen werden erst mühsam in die neuen Verhältnisse gepresst und transformieren dann. Widersprüche entstehen, weil Teile der alten Vorstellungen erhalten bleiben. Die Änderung der Produktionsverhältnisse verläuft nicht auf der ganzen Welt gleichzeitig, so dass Differenzierungen zwischen verschiedenen Ländern und Regionen auftreten, verschiedene Vorstellungen kombiniert werden oder ganz verschwinden.
Die Voraussetzungen für eine neue Moral im Sozialismus sind 1. die veränderten ökonomischen Rahmenbedingungen mit dem Wegfall des Privateigentums, stattdessen Produktion nach Bedürfnissen – die gerechte Verteilung wird durch die Produzent:innen kontrolliert – und 2. die im revolutionären Prozess in der Arbeiter:innenklasse gewachsene Solidarität, die Aufmerksamkeit und der Respekt für die Genoss:innen, die nebeneinander im Kampf stehen. Ohne Solidarität ist ein gemeinsamer Kampf für eine neue Gesellschaft nicht möglich.
Das alles trägt dazu bei, dass es für moralisch richtig gefunden wird, sich für das Kollektiv einzusetzen statt für kleinlichen Eigennutz. Es führt dazu, dass in Beziehungen nicht nur die eigenen Bedürfnisse nach seelischer und sexueller Befriedigung im Mittelpunkt stehen, sondern genauso die Bedürfnisse der Lebensgefährt:innen. Eine neue Moral entsteht und wirkt auf die Formen des Zusammenlebens, auf die Familie, auf Beziehungen und auf Sexualität.
Ein Blick zurück in die Menschheitsgeschichte
In klassenlosen Gesellschaften herrschte genossenschaftliches Eigentum von Produktionsmitteln und Gebrauchsgütern. Der Zusammenhalt der Gemeinschaft basierte auf verwandtschaftliche Beziehungen, der sogenannten Gentilorganisation. Hier waren monogame lebenslange Beziehungen nicht notwendig. Die Gentilorganisation ließ genügend Freiraum für lang- oder kurzfristige Partner:innenbeziehung, weil diese nicht entscheidend waren für die Existenz. Ressourcen wurden an Kinder und an direkte Verwandte weitergegeben – die Verwandtschaft ließ sich nur durch die Mutterschaft nachweisen. Deshalb herrschte das Mutterrecht.
Mit dem Privateigentum änderte sich das: Die Weitergabe von Eigentum findet nicht mehr genossenschaftlich, sondern individuell statt. Da die Männer die Produktion dominierten, waren nur die eigenen Nachkommen von ihrem Interesse – damit wurde Monogamie von der Frau verlangt. Als Gegenleistung ist der Mann für die soziale Sicherstellung seiner Frau und seiner Nachkommen verantwortlich. Theoretisch konnten demnach die Männer mit vielen Frauen zusammenleben; praktisch zwangen aber ökonomische Gegebenheiten auch Männer zur monogamen Ehe. Da sie jedoch die „Kontrolleure“ sind, überwachten sie die Monogamie der Ehefrau, während sie selbst Befriedigung sexueller oder seelischer Natur außerhalb der monogamen Beziehung suchten, für die sie keine dauerhafte ökonomische Verantwortung übernehmen mussten – in Prostitution oder in Verhältnissen.
Die monogame lebenslange Partner:innenbeziehung als „moralisch gut“ hat sich bis heute erhalten. Am Anfang ging es um gesicherte Nachkommenschaft und um die Durchsetzung des Vaterrechts sowie der Kontrolle der Männer über die Frauen. Beziehungen abseits davon wurden mehr oder weniger geduldet, mit mehr oder weniger Wohlwollen. Prostitution wurde in allen Klassengesellschaften als notwendiges Übel akzeptiert. Sind gleichgeschlechtliche Beziehungen oder nicht-heterosexuelle Identitäten in den Anfängen der Klassengesellschaften noch als normal empfunden worden, gerieten sie mehr und mehr ins Abseits und wurden verfolgt, je mehr die monogame Beziehung als Sicherung von Nachkommen in den Vordergrund gelangte.
Familie im Kapitalismus
Erst die kapitalistische Gesellschaft hat die Familie von der Produktion getrennt – bis dahin produzierten Familienangehörige Kleidung, Nahrung, Ausrüstung für den Eigenbedarf und für den Tausch auf Märkten, um sich mit Dingen zu versorgen, die sie selbst nicht herstellen konnten.
Mit dem Kapitalismus veränderten sich die Arbeitsverhältnisse – Mann, Frau und Kinder wurden nun statt vom Tageslicht durch die Fabriksirene zur Arbeit an verschiedenen Orten angetrieben. Das Familienleben in der Mietskaserne konnte wahrlich nicht als idyllisch bezeichnet werden. In vielen Teilen der Welt – in den Slums, in den Sweatshop-Areas herrschen noch heute Verhältnisse wie in den Anfängen der Industrialisierung Europas. Familienverbände der alten Produktionsfamilie, die in vorkapitalistischen Gesellschaften die soziale Sicherheit bot, wurden auseinandergerissen. Männer, Frauen und Kinder wurden gleichzeitig in der Produktion verheizt. Das Ergebnis: Rückgang der Geburtenrate, steigende Kindersterblichkeit, Verkümmerung von Körper, Geist und Seele der Arbeiter:innen – langfristig auch für das Kapital katastrophal, da die Reproduktion von Arbeitskraft ins Stocken geriet. Das war der Grund für die Einführung der Verkürzung von Kinder- und Frauenarbeit. Männer sollten nun so viel verdienen, dass Frauen sich mehr um Haushalt und Kinder kümmern können. So hielt das Ideal der Kernfamilie Einzug in die Arbeiter:innenklasse. Der Staat hat der Familie zwar einiges abgenommen – Produktion von Nahrung und Kleidung, Bildung und Erziehung – die Hauptlast der Reproduktion bleibt jedoch in der Familie.
So gut die Kernfamilie für die Bourgeoisie ist, in der alle Mitglieder dazu angehalten sind, den Gewinn zu vergrößern und das Eigentum in der Familie zu konzentrieren, so schwierig ist es für Arbeiter:innen wegen ökonomischer Zwänge, eine Familie zu gründen und mit allem Notwendigen auszustatten. So ging und geht die Zahl der Eheschließungen relativ zur Gesamtbevölkerung zurück; ebenso die Zahl der Kinder, die innerhalb einer Ehegemeinschaft geboren werden. Abgesehen von finanziellen Abhängigkeiten ist es die geforderte Mobilität und Flexibilität, die Familien auseinanderreißt. Zum Beispiel ist Migration von Arbeiter:innen erwünscht, solange ihre Arbeitskraft benötigt wird – der Nachzug von Familien dagegen wird erschwert.
Weil die Ideen der Herrschenden die herrschenden Ideen sind, ist auch die Moral der Herrschenden die herrschende Moral – und die lautet auch heute: „Das einzig wahre Glück findet sich in der (Klein)Familie!“ Das steht im Widerspruch zur Individualisierung, die durch die kapitalistische Produktionsweise fortschreitet. Die Arbeitskraft wird dort verkauft, wo sie Lohn – also Geld – einbringt. Im Grunde genommen bringt die Umwandlung der Arbeitskraft in Geld eine Emanzipierung von der Familie; zumindest eine Lockerung und im extremsten Fall die Zerstörung der Familienzusammenhänge. Diese Unterwerfung unter die Verwertungsansprüche im Kapitalismus ist für die Menschen schmerzhaft. Im Gegensatz dazu soll die Familie Zusammengehörigkeit und Geborgenheit vermitteln und dieses Ideal wird in der Werbung, im Film und anderen Kulturformen fleißig propagiert, auch wenn es mit der Realität nicht mehr übereinstimmt.
Das Ideal der Kernfamilie gerät mehr und mehr unter Druck. Schon heute ist die Familie nicht immer der ideale Ort. Auseinandersetzungen und Konflikte über Geld, unterschiedliche politische Ansichten und Lebensvorstellungen sind Gründe, die Familie eher als Belastung zu sehen. Andere Formen der Reproduktion wie Alleinerziehende und Wohngemeinschaften entstehen; die Anzahl der Single-Haushalte wächst. Das ändert nichts daran, dass Reproduktion weiterhin individuell gestaltet wird. Gleichzeitig entsteht eine andere Art der Zusammengehörigkeit: Am Arbeitsplatz wird kollektiv gearbeitet und Verbesserungen der Arbeitsbedingungen können nur gemeinsam durchgesetzt werden.
Was wird aus der Familie im Sozialismus?
Mit den neuen Produktions- und Reproduktionsbedingungen – kollektiv organisiert und geplant – ändern sich Vorstellungen und Ansprüche. Zunächst entfallen Gründung und Zusammenhalt einer Familie auf Grund von finanziellen Abhängigkeiten oder um die Vererbung von Privateigentum abzusichern. Insbesondere letzteres ist eine ungeheure Veränderung: In Zeiten der klassenlosen Gesellschaft mit der Gentilorganisation und des Gemeindebesitzes war die verwandtschaftliche Verbindung und das Mutterrecht ausschlaggebend; die Entstehung des Privateigentums brachte das Vaterrecht. Heute garantiert die bürgerliche Gesetzgebung, dass Privateigentum innerhalb der Kernfamilie oder an die nächste Verwandtschaft weitergegeben wird. Sozialismus kennzeichnet eine höhere Form des gemeinsamen Besitzes – dieser kann nicht vererbt werden, sondern bleibt unter der Kontrolle der Kollektive von Produzent:innen und Konsument:innen.
Mit einem umfassenden Mutterschutz entfällt der Nachteil der Frauen, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben und es entfällt ebenso die Notwendigkeit, auf Unterstützung innerhalb einer Familie angewiesen zu sein. Durch die Neuorganisation der Produktion verschwindet die Entfremdung oder die Zweiteilung des Lebens in berufliche und private Sphäre – damit entfällt ein Teil der physischen und psychischen Anspannung; es entfällt die Erniedrigung und Demütigung, die man beim Verkauf seiner Arbeitskraft empfindet. Seele und Geist können sich frei entfalten.
Wozu braucht es da noch die (Kern)Familie? Die Beziehungen der Menschen gründen sich im Sozialismus auf gemeinsame Interessen, auf kollektive Organisation von Reproduktion und Produktion, auf Austausch von Ideen. Das kann, muss aber nicht innerhalb von verwandtschaftlichen Zusammenhängen erfolgen. Es erscheint für die Mehrheit heute unvorstellbar, dass sich Familien auflösen; dass stattdessen neue Verbindungen und neue, gemeinsame Orte des Zusammenlebens entstehen.
Sexualität und Liebesbeziehungen – neue Freiheit und neue Konflikte
Die meisten Liebesbeziehungen in der Gegenwart nutzen sich im Alltag ab; verunmöglichen sich durch finanzielle Probleme, durch spaltende geschlechtliche Sozialisierung, Besitzdenken, Kontrolle oder unerfüllbare Erwartungen. Was für ein gewaltiger Unterschied, wenn die Menschen ihre Lebenspartner:innen unter anderen Bedingungen auswählen können – rein auf der Grundlage erotischer Anziehung, gemeinsamer Interessen, gegenseitigen Respekts. Bis dahin ist es ein weiter Weg. Die Gesellschaft muss mit vielen, seit Jahrhunderten ins Bewusstsein gegrabenen Traditionen brechen. Die Voraussetzungen sind geschaffen, dass die Objektifizierung/Sexualisierung der Frau, die Selbstgefälligkeit des Mannes und der Verzicht der Frauen auf ein eigenes „Ich“ verschwinden. Die Grundlage dazu legt die Kollektivität und darin befindliche Solidarität der Arbeiter:innenklasse – hier ist es eine Notwendigkeit, mit den Traditionen zu brechen, um erfolgreich eine neue Gesellschaft zu erkämpfen – aber es ist kein Automatismus und muss bewusst durchgesetzt werden.
Zu einer guten Liebesbeziehung gehört eine befriedigende, befreiende Sexualität auf Augenhöhe. Kein anderes Thema ist in der heutigen Zeit so in Widersprüche verstrickt. Aus der Prüderie vergangener Zeiten sind wir scheinbar ausgebrochen – seit der Sexual-Reformbewegung der 20er und seit die 68er-Bewegung sexuelle Befreiung thematisierte und versucht zu leben. Es haben sich noch genügend Missstände erhalten. Wie viele Menschen kennen tatsächlich den eigenen Körper, die eigene Sexualität und diejenige der potentiellen Partner:innen, unabhängig von sexueller Orientierung. Informationen werden mit Mundpropaganda verbreitet und hypersexualisierte Darstellungen lassen ein völlig falsches Bild entstehen. Um Sexualerziehung im Unterricht muss gekämpft werden – stattdessen ist „schwul“ in allen Kombinationen noch immer ein Schimpfwort.
Die bürgerliche Moral hat seine materiellen Ursachen im Privateigentum und in der Verwertung von Kapital und Arbeitskraft – die Liebe ist deshalb reine Privatsache außerhalb der Produktion und orientiert sich doch an diesen materiellen Grundlagen. Die Moral der sozialistischen Gesellschaft gründet sich auf kollektiver Produktion und Reproduktion und lautet deshalb: Alles für das Kollektiv. So wie sich die Moral verändert, werden sich auch Liebesbeziehungen verändern – nicht mehr abgeschottet von der Gesellschaft, sondern mittendrin – eine Verstärkung für die gemeinsamen gesellschaftlichen Aufgaben. Gegenseitiger Respekt und Vertrauen lassen solidarische Auseinandersetzungen über Konflikte zu, wenn alte bürgerliche Traditionen auf neue Ansprüche treffen.
Literatur
August Bebel, Die Frau und der Sozialismus
Friedrich Engels, Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates
Alexandra Kollontai, Der weite Weg (Neue Formen des Zusammenlebens – Briefe an die arbeitende Jugend)
Elfriede Friedländer, Sexualethik des Kommunismus
Otto Rühle, Die Sozialisierung der Frau